Placebos

Placebos sind Scheinmedikamente mit harmlosen Stoffen (Stärke, Milchzucker oder Kochsalzlösung), die durch den Glauben des Patienten an eine Wirkung tatsächlich Wirkeffekte zeigen, obwohl pharmakologisch keine gegeben sind. Teilweise lässt sich dieses Phänomen so erklären, dass der Körper ähnliche Stoffe wie Morphium erzeugt - wir nennen sie Endorphine. Kann der Organismus auf irgend eine Weise dazu gebracht werden, Endorphine freizusetzen, tritt zum Beispiel ein schmerzlindernder Effekt ein. Das Wichtige dabei ist, dass der Patient merkt, dass etwas mit ihm geschieht. Er sieht die Farbe der Tabletten, spürt den Stich der Injektionsnadel und empfindet, etwas geschluckt zu haben. 

Namhafte Fachleute sprechen davon, dass selbst Medikamente eine Placebo-Wirkung besitzen können, und dass diese Placebo-Wirkung die Arzneimittelwirkung positiv oder negativ beeinflussen kann. Ändert man zum Beispiel nur die Farbe eines Arzneimittels so kann es vorkommen, dass dieses Mittel bei Patienten, die bereits jahrelang damit behandelt wurden, nun besser oder schlechter wirkt oder vertragen wird.

Das Wort Placebo kommt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "ich werde gefallen". Es ist das erste Wort eines Psalmverses, der im Mittelalter große Bedeutung fand. Damals beauftragten reiche Leute sogenannte Trauerfrauen, die in Vertretung der Angehörigen für den Verstorbenen religiöse Texte und den Psalmvers "Placebo domino in regione vivorum" - "Ich werde dem Herrn gefallen im Lande der Lebenden" (Psalm 116,9) sangen. So erhielt der Vers die Bedeutung für Vertretung und Ersatz. In der Medizin taucht der Begriff "Placebo" erstmals in einem englischen Wörterbuch Ende des 18.Jahrhuderts auf und wurde damals für jede Maßnahme oder Arznei verwendet, die Patienten zufriedenstellen sollten. So verschrieben damals Ärzte Brotpillen ("Pillula panis") oder schlichtes Pfefferminzwasser ("Julep" oder "Aq.Menth.Pip.").