Arzneimittel: Wirkung und Nebenwirkung

Wenn Medikamente richtig eingesetzt werden, ist der Nutzen sehr viel größer als das Risiko von Nebenwirkungen. Wie man Medikamente am besten nutzt, erfährt man in der Apotheke.

Was da an möglichen Nebenwirkungen am Beipackzettel angeführt ist, klingt oft wenig vertrauenerweckend. Aber ist es tatsächlich klug, aus Angst davor auf die Einnahme des Medikaments zu verzichten, wie es schätzungsweise jeder Zwanzigste tut? Sicher nicht, denn richtig eingenommen, übersteigt der Nutzen das Risiko bei weitem.

Zur Illustration: Nebenwirkungen von Arzneimitteln bescheren den Menschen weltweit zwar eine durchschnittliche Verringerung der Lebenserwartung von 37 Minuten. Aber: Der Gewinn an Lebenszeit beträgt im Durchschnitt 15 Jahre! Das erreichen die Hauptwirkungen von Arzneimitteln.

Das ist natürlich „nur“ eine Statistik - auf die am Beipackzettel angeführten Nebenwirkungen trifft das aber genauso zu. Die Angaben in der Gebrauchsinformation beziehen sich auf statistische Wahrscheinlichkeiten. Bevor ein neues Medikament von den Gesundheitsbehörden zugelassen wird, muss untersucht werden, welche Nebenwirkungen auftreten können. Außerdem werden in der Gebrauchsinformation auch Nebenwirkungen angeführt, die nur speziell gefährdete Personengruppen betreffen.

Warum hat ein Arzneimittel überhaupt Nebenwirkungen? „Ohne Hauptwirkung keine Nebenwirkung“, hat ein bekannter Arzneimittelfachmann einmal gesagt. Der menschliche Körper ist eine außerordentlich komplizierte Angelegenheit, bestimmt von nahezu zahllosen biochemischen und biophysikalischen Wechselwirkungen - ganz zu schweigen von den Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele. Nun soll ein Arzneimittel an einer bestimmten Stelle eingreifen, um etwas zu verändern. Das geht kaum, ohne dass sich auch an einer anderen Stelle sozusagen eine Schraube mit dreht. Und das kann als Nebenwirkung spürbar werden.

Bei den Nebenwirkungen von Arzneimitteln spielt auch noch eine Rolle, welche Krankheit damit behandelt werden soll. Ein Krebspatient zum Beispiel wird bei einer Chemotherapie Übelkeit und Haarausfall in Kauf nehmen, weil sein Leben davon abhängt. Bei einem Arzneimittel gegen leichte Kopfschmerzen würde man das nie tolerieren. Nebenwirkungen von Arzneimitteln sind auch nicht unabänderlich. Eines der großen Ziele der modernen Arzneimittelforschung ist es, Medikamente zu entwickeln, die ihr Ziel genauer „treffen“ und daher weniger Nebenwirkungen haben.

Das mit dem Risiko ist überhaupt eine recht eigentümliche Sache. Rauchen, Bewegungsmangel und Alkohol sind nachgewiesenermaßen sehr große Gesundheitsrisiken und verringern die Lebenserwartung beträchtlich. Der Einzelne empfindet sie aber als viel weniger gefährlich als zum Beispiel Asbest, Giftmüll oder eben Arzneimittelnebenwirkungen. Diese sind aber im Verhältnis gesehen viel kleinere Gesundheitsrisiken. Alltägliche Gefahren und solche, von denen man glaubt, sie selbst bestimmen zu können, werden als gering eingeschätzt. Gefahren, die schwer beeinflussbar und fremdbestimmt sind, werden als viel größer eingeschätzt.